Lykischer Weg — Erfahrungsbericht

14 Tage von Fethiye bis Demre, Anfang Mai. Was wirklich passiert, wenn du den meistgehypten Fernwanderweg der Türkei zu Fuß abläufst: die Wahnsinns-Aussichten, die ekligen Momente, die Pensionen, das Essen, die Kosten — und was ich beim nächsten Mal anders machen würde.

Strecke: Fethiye → Demre (~210 km) Etappen: 14 (Tage 1–15 inkl. Ruhetag) Reisezeit: Mai 2025 Gesamtkosten: ca. 580 €

Vorab: warum Lykischer Weg?

Vorher hatte ich Westweg im Schwarzwald gemacht (gut, aber regnerisch) und den Cinque-Terre-Weg in Italien (schön, aber kurz und voll). Lykischer Weg sollte etwas Längeres, Wärmeres, Wilderes sein — und das ist es: über 700 km Küste, antike Ruinen direkt am Wegesrand, Pensionen statt Berghütten, und das Mittelmeer immer in Sichtweite.

Ich bin alleine gegangen, mit 9 kg Gepäck (Rucksack 32 L) und ohne Zelt — Übernachtung in Pensionen. Als Vorbereitung: drei Wochen vorher 50 km Fußmarsch durchs Berliner Umland, ansonsten normal fit. Englisch-Türkisch-Wörterbuch auf dem Handy reichte aus.

Die ersten Tage: Fethiye, Faralya, Kabak

Tag 1 — Anreise nach Fethiye, dann Bus nach Ovacık

Strecke: Anreisetag · Übernachtung: Pension Mehmet, Ovacık (15 €)

Flug nach Dalaman, Shuttle-Bus 90 Min nach Fethiye-Otogar, dann lokaler Dolmuş nach Ovacık. Der Bus war voll mit deutschen Wanderern — drei andere Solo-Frauen, ein älteres Paar aus Bayern, zwei Briten. Pension Mehmet ist eine kleine Familienpension mit dampfenden Linsen-Suppen und einer Karte mit allen Etappen an der Wand. Schlafen wie ein Stein nach 14 Stunden Reise.

Tag 2 — Ovacık nach Faralya (Etappe 1)

Strecke: 15 km, 6 Std. · Übernachtung: Gül Pension, Faralya (18 €)

Der echte Anfang. Vom Ovacık-Wegweiser steigt der Trail erst sanft durch Pinienwald, dann steil über den Babadağ-Westhang. Die ersten Aussichten auf das blaue Mittelmeer von oben — ich habe mehr stehengeblieben und fotografiert, als gegangen. Mittags am Höchsten Punkt (~600 m) ein Pärchen Hippies, die Tee anboten. Abstieg nach Faralya war länger als erwartet (Knie taten weh). Gül Pension hat mich mit Bier empfangen.

"Das hier ist also Wandern in der Türkei — und ich war noch nie so glücklich, dass ich neue Schuhe gekauft habe."

Tag 3 — Faralya nach Kabak Bay (Etappe 2)

Strecke: 8 km, 5 Std. · Übernachtung: Olive Garden, Kabak (22 €)

Die berühmteste Tagesetappe — und sie hat den Hype verdient. Schmetterlingstal von oben, dann steiler Pfad direkt an der Kante mit Blick 400 m senkrecht hinunter ins türkise Wasser. Bei Kilometer 6 gibt es einen Picknickplatz, wo ich zwei Stunden gesessen bin. Kabak ist eine kleine Hippie-Bucht — Olive Garden ist mein Favorit wegen des Frühstücks (Eier, frischer Honig, Granatapfelsaft).

Tag 4 — Ruhetag in Kabak

Strecke: 0 km · Übernachtung: Olive Garden

Strand, Yoga (kostenlos beim Pension-Wirt), zwei Stunden im Wasser. Kabak hat Strom nur über Solar — Handy laden bedeutet Warten. Befreiend.

Die mittleren Tage: Patara, Kalkan, Kaş

Tag 5–6 — Bus übersprungen Etappen 3–6, gewandert ab Patara

Strecke: 0 + 22 km · Übernachtung: Kişla Pension, Kalkan (28 €)

Ich wollte realistisch bleiben — die Bergetappen 3–5 sind anspruchsvoll und in 14 Tagen will ich auch die schönen Küstenetappen schaffen. Also Bus von Faralya nach Patara (3 Std., 4 €), Strandtag in Patara, dann am nächsten Tag die Küstenetappe nach Kalkan. Der 18 km lange Patara-Strand am Morgen für mich allein war einer der Höhepunkte der ganzen Tour.

Tag 7 — Kalkan nach Bezirgan (Etappe 9)

Strecke: 14 km, 6 Std. · Übernachtung: Owl's Lodge, Bezirgan (24 €)

Steiler Anstieg aus Kalkan heraus, dann Hochebene mit Olivenhainen. Das Dorf Bezirgan ist klein und ehrlich — keine Touristen außer Wanderern. Owl's Lodge wird von einem ausgewanderten Holländer und seiner türkischen Frau geführt; das Abendessen war das beste der ganzen Tour (Lammeintopf mit Granatapfel).

Tag 8 — Bezirgan nach Sarıbelen (Etappe 10) — der harte Tag

Strecke: 17 km, 8 Std. (geplant 7) · Übernachtung: Halil's Pension, Sarıbelen (16 €)

Hier ist es passiert. Ich habe den Wegweiser an der Quelle übersehen und bin 90 Minuten in die falsche Richtung gegangen, bis das GPS mich korrigierte. Zurückgehen, fluchen, weitergehen. Plus der Abschnitt selbst ist hart — viel Geröll, wenig Schatten, lange Anstiege. Bei Kilometer 12 hatte ich eine Blase. Halil's Pension ist sehr einfach (Gemeinschaftsdusche, Kaltwasser), aber Halil hat mir einen Pflaster-Verband gemacht und Tee gekocht.

Lehre: Offline-Karte (OsmAnd mit Lycian-Way-Track) ALLE 30 Minuten checken, nicht nur "wenn ich mir unsicher bin". Die Markierungen verschwinden manchmal über lange Strecken.

Tag 9 — Sarıbelen nach Gökçeören (Etappe 11)

Strecke: 14 km, 6 Std. · Übernachtung: Yeşim Pension (20 €)

Erholungstag — keine Bergetappe, viel durch Wald, ein paar antike Lykische Gräber direkt am Weg. Gökçeören ist ein winziges Dorf, aber die Pension hat WLAN und ich habe das erste Mal seit Tagen Familie angerufen.

Tag 10 — Gökçeören über Phellos nach Kaş (Etappe 12)

Strecke: 18 km, 7 Std. · Übernachtung: Mediterra Art Hotel, Kaş (35 €)

Lange Etappe mit Höhepunkt: die antiken Ruinen von Phellos auf einem Berggrat, mit Aussicht auf die Insel Kastellorizo (griechisch). Dann steiler Abstieg nach Kaş — zwei Stunden voller Geröll, der schlimmste Part der ganzen Tour. Aber unten in Kaş ein richtiges Hotel mit Pool und Restaurant. Drei Bier auf der Terrasse mit Blick auf den Hafen. Würde ich wieder so machen.

Tag 11 — Ruhetag in Kaş

Strecke: 0 km · Übernachtung: Mediterra Art Hotel

Schwimmen, Wäsche waschen lassen (4 €), Schuhe putzen, alle Blasen versorgen, Familienanruf. Abends Fischrestaurant am Hafen — 12 € für gegrillte Sardinen plus Bier.

Die letzten Tage: Kekova, Demre

Tag 12 — Kaş nach Liman Ağzı nach Üçağız (Etappe 13)

Strecke: 20 km, 7 Std. · Übernachtung: Captain Pension, Üçağız (22 €)

Eine der landschaftlich besten Etappen. Erste Hälfte folgt der Küste mit ständigen Aussichten auf das Meer, zweite Hälfte führt durch die Lykische Region nach Üçağız mit Blick auf die versunkene Stadt von Kekova. Captain Pension ist direkt am Wasser, Abendessen mit frischem Fisch und Wein vom Wirt.

Tag 13 — Üçağız nach Aperlai nach Boğazcık (Etappe 14)

Strecke: 15 km, 6 Std. · Übernachtung: Pansiyon Demre (15 €)

Geschichtlich die dichteste Etappe — antike Lykische Gräber praktisch alle 100 m, die Ruinen von Aperlai direkt am Meer (man kann durch die Stadtmauer schwimmen!), und vereinzelt andere Wanderer. Boğazcık ist klein und eher ein Bus-Stop — ich habe weiter nach Demre genommen.

Tag 14 — Boğazcık nach Demre (Etappe 15)

Strecke: 16 km, 6 Std. · Übernachtung: Hotel Andriake, Demre (28 €)

Letzter Wandertag. Der Pfad führt durch eine bekannte Schlucht, dann hinab in die Ebene von Demre — die antike Stadt Myra mit ihren beeindruckenden Felsengräbern und dem römischen Theater ist nur 20 Minuten zu Fuß vom Hotel. Heimatkirche von St. Nikolaus (dem Original-Weihnachtsmann) gleich nebenan. Abends Bus-Reservierung für die Rückreise nach Antalya gemacht.

Tag 15 — Bus nach Antalya, Flug nach Hause

Strecke: Heimreise · Bus: Demre → Antalya, 3 Std., 6 €

Vom Otogar in Antalya zum Flughafen mit Tram (1,5 €). Flugverspätung hat noch zwei Stunden Wartezeit gegeben — perfekt zum Sortieren von Fotos und Schreiben dieser Notizen.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde

Tatsächliche Kosten

14 Tage, 13 Übernachtungen, ohne An- und Abreise:

Pensionen (13 Nächte, Schnitt 22 €)286 €
Frühstück (meist im Preis), Mittagessen (10–15 € unterwegs)140 €
Abendessen (15–25 €)180 €
Lokale Busse (Faralya–Patara, Demre–Antalya, etc.)30 €
Wasser, Snacks, Eintritte (Myra etc.)40 €
Wäsche, Reparatur, Pflaster15 €
Gesamt vor Ort691 €

Plus ca. 280 € Flug Berlin–Dalaman + Antalya–Berlin. Insgesamt knapp 1.000 € für 14 Tage Türkei mit allem inklusive — nicht teurer als eine Woche Cluburlaub in Antalya, aber mit deutlich mehr Erlebnis.

Würde ich es wieder tun?

Ja, sofort. Aber nicht nochmal genau dieselbe Strecke — beim nächsten Mal die Etappen 16–26 (Demre nach Antalya), die ich ausgelassen habe. Die Berichte aus der Tahtalı-Region und Çıralı klingen so gut, dass ich sie sehen muss.

Wer überlegt: macht es. Niemand auf dem Trail war bereut.

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